Die Profanierung eines Gotteshauses ist immer eine schmerzliche Angelegenheit. Taufen und Kommunionfeiern, Firmungen und Trauungen, auch Sterbeämter, all diese Gottesdienstfeiern bedeuteten den Gemeindemitgliedern viel. Denn „ihre“ Kirche war für sie geistliche Heimat und Gebetsraum zugleich. Doch in der heutigen Zeit ist es nicht immer mehr möglich, ein Gotteshaus zu erhalten; sinkende Kirchensteuern und immer höher werdende Unterhaltungskosten zwingen zu einem schmerzhaften Abschied, wie kürzlich in Sulzbach-Neuweiler geschehen. St. Hildegard, ein unter Denkmalschutz stehendes Gotteshaus und in der Denkmalliste des Saarlandes als Einzeldenkmal geführt seit 2010, wurde entweiht.
Eröffnet 1957, war die Kirche nach den Plänen von Gottfried Leo Böhm errichtet worden. Der Architekt und Bildhauser verstarb 2021 im Alter von 101 Jahren. Er hat nicht nur den Kirchenbau geplant und begleitet, sondern ebenso den Turmneubau, welcher wegen Baufälligkeit 2005 abgerissen und 2009 neu erbaut wurde.

Die Kirche St. Hildegard wurde zwischen August 1954 und Mai 1957 errichtet. Am 26. Mai 1957 erfolgte dann der Umzug von einer Notkirche in den Neubau, sicherlich ein Freudentag für die gesamte Pfarrgemeinde.
Teil der Kirche ist auch eine Grabkapelle mit dem Grab von Vikar Friedrich Klein. Er hatte den Kirchenbau entscheidend vorangetrieben und verstarb 1956 plötzlich inmitten der Bauphase.
Vier neue Glocken erklangen zum ersten Mal am 17. Mai 1959. Eine Orgel wurde 1962 installiert von der Orgelwerkstatt Eduard Sebald aus Trier mit 24 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.
„Das ist heute eine schmerzliche Angelegenheit und ein trauriger Gottesdienst“, so Pfarrer Peter Sens in seiner Rede zur Begrüßung. Der Bürgermeister von Sulzbach, Michael Adam, betonte, dass heute eine Kirche geschlossen werde, welche in den vergangenen Jahrzehnten immer eine wichtige Rolle im Stadtgeschehen gespielt habe.
Weihbischof Jörg Michael Peters aus Trier tröstete jedoch die zahlreich erschienen Gläubigen, welche sich zum letzten Gottesdienst versammelt hatten. „Die Entweihung der Kirche St. Hildegard ist ein Grund zur Trauer“, so der Weihbischof. Aber man müsse vernünftig und optimistisch in die Zukunft schauen. Der Geistliche verlas nun das von Bischof Stephan Ackermann verfasste Dekret aus welchem hervorgeht, dass St. Hildegard profaniert ist. Als letzter Akt wurden die Kerzen in der Kirche gelöscht, das Altartuch zusammengefaltet und das Allerheiligste von Pfarrer Sens aus dem Gotteshaus gebracht.
In dem Entweihungsgottesdienst war auch festliche Musik zu hören. Unter der Leitung von Organist Stephan Ley bereicherten Mitglieder der Kirchenchorgemeinschaft Heilige Familie Rentrisch und St. Ursula Scheidt gesanglich die Messfeier, gemeinsam mit Sylvia Wilhelm als Flötensolistin.
Weihbischof Jörg Michael Peters dankte allen, die zur Gestaltung des letzten Gottesdienstes beigetragen hatten.
Franz Rebmann
Fotos: Franz Rebmann
